Literatur im Volkspark

In den letzten Jahren ist durch die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, den Verein Volkspark e.V. und die Stadt Halle eine ambitionierte Lesereihe im Volkspark entstanden. Diese findet auch 2020 statt.

Veranstaltungsdauer: 3. bis 27. November 2020
Die Lesereihe Literatur im Volkspark wird in diesem Jahr ausschließlich digital stattfinden können. Die Veranstalterinnen folgen damit den behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Auf der Seite meet.burg-halle.de/literaturimvolkspark lesen alle Autor*innen während der einzelnen virtuellen Veranstaltungen vom 3. bis 19. November live aus ihren Neuerscheinungen. Die Moderator*innen werden in dem Videoliveformat in die Lesungen einführen und Fragen stellen. Auch die Besucher*innen sind eingeladen im Videoformat Fragen zu stellen, mitzudiskutieren und vor allen Dingen, die Autor*innen und deren Werke virtuell ganz nah erleben zu können.

Die digitalen Lesungen finden wie geplant an den jeweiligen Terminen fest. Für die Nutzung der Website meet.burg-halle.de/literaturimvolkspark ist keine spezielle Software notwendig. Bei Verwendung eines Smartphones oder Tablets ist vorab die Installation der kostenfreien Jitsi-App nötig. Mit einem Browser über Desktop-Computer kann sich direkt eingeklickt werden.
Falls der genannte Link aufgrund zu großer Zugriffszahlen nicht stabil sein sollte, nutzen Sie bitte den alternativen Link meet2.burg-halle.de/literaturimvolkspark

Die digitale Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung oder Reservierung ist nicht nötig. Einzig die Lesung für Kinder mit Ulrike Jänichen am 27. November muss leider entfallen.

Lutz Seiler eröffnet mit seinem Roman Stern 111 am Dienstag, 3. November 2020, um 19.30 Uhr die Literaturreihe. Erzählt wird eine große Geschichte über die kurze Zeit gleich nach dem Mauerfall, als alles noch möglich schien. Zwei Tage nach der Grenzöffnung verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben und folgen über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime einem alten Traum in den Westen. Auch ihr Sohn Carl verlässt Gera, schließt sich in Berlin einer Gruppe junger Frauen und Männer an, die in Mitte dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreiben.

Lutz Seiler (*1963 in Gera) schrieb zunächst Lyrik und wurde 2000 mit seinem Gedichtband Pech & Blende bekannt. Sein Romandebüt Kruso wurde mit dem Deutschen Buchpreis 2014 ausgezeichnet, für Stern 111 erhielt er in diesem Jahr den Preis der Leipziger Buchmesse.


Ronya Othmann stellt am Montag, 9. November 2020, um 19.30 Uhr ihr Debüt Die Sommer vor. Im Zentrum steht Leyla, die Tochter eines jesidischen Kurden und einer Deutschen. Sie ist Bayern zuhause, dort geht sie zur Schule und feiert mit ihren Freundinnen. Doch all ihre Sommerferien verbringt sie im Dorf ihrer Großeltern in Nordsyrien, nahe der Türkei. Die Erinnerungen daran sind geprägt von Farben, Düften und Erzählungen auch über die Gewalt des Assad-Regimes, vor der ihr Vater fliehen müsste. Als der Krieg beginnt, macht sie gerade Abitur. Sie sieht die Bilder des zerstörten Aleppo, von der Ermordung der Jesiden durch den IS und Menschen auf der Flucht und ihr wird der Zwiespalt ihrer verschiedenen Lebenswelten deutlich. Ein zärtliches, ein wütendes Buch über die Zerrissenheit zwischen zwei gegensätzlichen Kulturen.

Ronya Othmann (*1993 in München) studiert am Literaturinstitut Leipzig. Sie erhielt unter anderem den MDR-Literaturpreis und den Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs 2019. Die Lesung wurde in Zusammenarbeit mit den Burg-Studentinnen Cleo Dölling und Mia Kugelmann konzipiert.


Hilmar Klute liest am Dienstag, 10. November 2020, um 19.30 Uhr aus seinen zweiten Roman Oberkampf und erzählt die Geschichte von Jonas Becker, der in Berlin seinen Job gekündigt und seine letzte Beziehung beendet hat. In Paris will er als unabhängiger Autor arbeiten und ein Buch über den alten Schriftsteller Richard Stein schreiben. Die Zeichen stehen gut. Doch dann geschehen die Anschläge auf Charlie Hebdo 2015 und die Stadt ist verändert, die Welt im Ausnahmezustand. Zwischen Sehnsucht und Schrecken, Komik und Melancholie schreibt Hilmar Klute vom Zauber Paris und der Literatur, aber auch von der Fragilität des Lebens und den Dämonen des Alltags.

Hilmar Klute (*1967 in Bochum) lebt in Berlin und ist Streiflicht-Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, sein literarisches Debüt Was nachher so schön fliegt (2018) fand in der Presse sehr viel Beachtung.


Thilo Krause stellt in seinem Roman Elbwärts am Dienstag, 17. November 2020, um 19.30 Uhr die Frage nach der Begegnung mit der fremd gewordenen Heimat. Ein junges Paar kehrt nach Jahren zurück ins Felsland der Sächsischen Schweiz. Der Wunsch, sich an den Kindheitsorten ein neues Leben aufzubauen, mündet in die Konfrontation mit der Herkunft. Der Erzähler erinnert sich: an den Schulfreund, der damals beim gemeinsamen Klettern sein Bein verlor, an den Tadel beim sozialistischen Fahnenappell. Heute gibt es dort nicht nur Apfelbäume und Elbwiesen, sondern auch das Sommercamp der Neonazis und das Misstrauen des Dorfes. Thilo Krauses erster Roman erzählt vom Innenhalten, vom Fremdsein und dem Versuch der Heimkehr. Ein eindringliches Buch, für das er mit dem Robert-Walser-Preis 2020 ausgezeichnet wurde.

Thilo Krause (*1977 in Dresden) lebt und arbeitet in Zürich. Bekannt geworden durch seine Gedichte für die er den Schweizer Literaturpreis und den Peter-Huchel-Preis erhielt, veröffentlicht er seit 2005 Texte in Zeitschriften und Anthologien.


Ulrike Almut Sandig erzählt in Monster wie wir am Donnerstag, 19. November 2020, um 19.30 Uhr vom Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz: Ruth in einem evangelischen Pfarrhaus, Viktor als Sohn einer ukrainischen Mutter und eines NVA-Unteroffiziers. Beide teilen die Erfahrung von Gewalt. Sie sind zwar Freunde, doch sie schweigen über das, was sie verbindet. Hier, wo der Braunkohleabbau ganze Dörfer und Wälder verschlingt und der politische Umbruch des Jahres 1989 das Leben der Menschen durcheinander bringt, hilft man sich am besten selbst. Ruth flüchtet in ihr Geigenspiel. Viktor rasiert sich eine Glatze und geht als Au-Pair nach Frankreich. Doch die Gewalt holt beide ein. Sandigs erster Roman erzählt in einer funkelnden Prosa voller harter Beats von ihrer Generation.

Ulrike Almut Sandig (*1979 in Großenhain) schreibt Hörspiele, Lyrik und Prosa. Bekannt für ihre Sprechkonzerte, wurde sie unter anderem mit dem Literaturpreis des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft 2017 und dem Wilhelm-Lehmann-Preis 2018 ausgezeichnet.